Landwirtschaft

Landwirtschaft im Kollektiv

Autor Michael Ritz (Januar 2012)

Seit altersher prägten die Fischerei und die Landwirtschaft das Leben im Haveldorf. Bis heute hat die Landwirtschaft ihren ortsprägenden Charakter nicht verloren und stellt bis dato den größten Arbeitgeber im Dorf.

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Lehrer und auszubildende Landwirte der Landwirtschaftlichen Schule Rathenow Anfang der 1930er Jahre. Der vierte v. r. in der mittleren Reihe ist Erich Friesike jun. aus Strodehne

 

 

Nachdem die Menschen über Jahrhunderte meist selbstständig den bäuerlichen Tätigkeiten nachgingen kam es Anfang der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts zu Kollektivierungen in der jungen Deutschen Demokratischen Republik, aus der sich die Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) entwickelten.
Nachdem Anfang der  50er Jahre v. a. viele Großbauern aus politischen Gründen in den Westen Deutschlands übersiedelten, wurden ihre Wirtschaften zur ÖLB (örtliche landwirtschaftliche Betriebe) zusammengelegt und von Hans Stumpf verwaltet.
Dieser Vereinigung schlossen sich einige Kleinbauern an und daraus wurde im Juni 1954 die LPG (Typ III)1  „Havelstrand“ Strodehne gegründet. Im Gründungsjahr hatte sie 55 Mitglieder und bewirtschaftete 640 ha der 1800 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche in der Gemarkung. Aufgrund massiver Werbung erhöhte sich die Mitgliederzahl bis 1960 auf 140 und die Größe der landwirtschaftlichen Nutzfläche auf 1438 ha. Doch bis dato gab es immer noch selbstständige Bauern, die sich jedoch nun in der LPG Typ I zusammenschließen mussten. Schließlich wurden diese 1962 der LPG Typ III zwangsangegliedert.
Die Bewirtschaftung der Äcker und des Grünlandes erfolgte zunehmend technisiert und mit größer werdenden Maschinen. Dafür wurde 1957 eine eigene Traktoren- und Maschinenstation mit Reparaturwerkstatt im Großdorf 5 eingerichtet.

Die Tierhaltung erfolgte zunächst noch auf den einzelnen Höfen, jedoch unter Regie der LPG. Die erste größer umgebaute Stallanlage war die der drei Scheunen am Backofenberg, die bis heute vom Landwirt Paproth genutzt werden. Ende der 50er Jahre wurde mit dem Bau der Stallanlagen im „Kombinat“ begonnen. Neben der Rinderproduktion wurden dort anfangs auch Hühner und bis 1983 Schweine gemästet. Der größte TankstelleProduktionsstandort wurde jedoch außerhalb des Dorfes auf der Scheunstelle errichtet. Hier wurde 1972 die große Jungrinderaufzuchtanlage 1972 eingeweiht.

Sie ist mit einer Kapazität von 1500 Plätzen fürJungrinder errichtet worden. Für die Tierpfleger und Fütterer stellt sie im Vergleich zu den vielen kleinen Stallanlagen bedeutend bessere Silotuerme2Arbeitsbedingungen bereit. Mit Hilfe von Futterbändern wurden die Tiere im Mehrschichtbetrieb versorgt. Über viele Jahre hinweg waren die acht Futtersilos mit einer Höhe von 25 Metern und einem Durchmesser von 7,50 Metern die markantesten Punkte der Scheunstelle.
Wie seit jeher, hatte auch die LPG „Havelstrand“ immer wieder unter den hohen Wasserständen der Havel zu leiden, die die Erträge des Feldbaus gefährdeten. Doch zwei große Maßnahmen brachten ihr einen erheblichen Fortschritt. Zum einen war durch den Bau des Gnevsdorfer Vorfluters und der großen Regulierungswehre 1954 die Rückstaugefahr durch mittlere Elbhochwasser gesenkt worden und zum anderen fanden in der Gemarkung umfangreiche Meliorationsarbeiten statt. Höhepunkte dieser waren die Errichtung des Polders Schafhorst in den Jahren 1967/69 und Twerl 1970/71 mit ihren Pumpwerken. Sie ermöglichten eine Umwandlung von Grün- in Ackerland und damit eine intensivere Landwirtschaft. Diese Maßnahmen zogen allerdings auch hohe Unterhaltungskosten nach sich.
Als LPG-Vorsitzende fungierten Werner Wolter (1954-1955), Anton Butdzik (1955-1958), Joseph Hennig (1958-1959), Bruno Lemke (1959-1960) sowie Eldor Riemann (1960-1977).
Nach dem Zusammenschluss der LPG-en von Strodehne, Kietz, Rhinow, Stölln, Kleßen, Großderschau und Rübehorst in die KAP wurde die landwirtschaftliche Erzeugung (Pflanzenproduktion) in Strodene von Rudolf Lerch und Martin Rochus geleitet, während die tierische Erzeugung weiterhin unter der Aufsicht der LPG „Havelstrand“ unter Eldor Riemann stand.
Sein Dienstsitz befand sich im Kleindorf 2, dem Büro- und Verwaltungsgebäude der LPG. Hier befand sich auch die erste LPG Betriebsküche des Ortes. Ende der 60er Jahre wurde diese ins Großdorf 2 verlegt. Werktags wurden dort täglich ein Frühstücks- und Mittagstisch angeboten. Vor allem die Arbeiter im Dorf, aber auch viele Senioren nutzten diesen Service, so dass zwischen 80 und 130 Essen am Tag verkauft wurden. Lange Zeit ist die Küche von den beiden Frauen Anneliese Riemann und Elfriede Koth geführt worden. Mit der Wende kam 1990 auch das Aus für diese Einrichtung.
Weitere Betriebsteile der LPG waren eine Tischlerei und eine Maurerbrigade.
Der Wiedervereinigung Deutschlands am 3.10.1990 ging die Wiedervereinigung der in den 70er Jahren getrennten LPG Pflanzenproduktion und Tierproduktion voraus. Seit dem  6.6.1990 bildeten sie wieder die LPG „Havelstrand“ Strodehne, die 1991 in die Agrargenossenschaft „Havelstrand“ Strodehne e. G. umgewandelt wurde.

Die Agrargenossenschaft
Als Nachfolgebetrieb der ehemaligen LPG „Havelstrand“ Strodehne ist die jetzige Agrargenossenschaft gleichen Namens der größte Arbeitgeber im Ort.
Sie bewirtschaftete ca. 1700 ha landwirtschaftliche Nutzfläche, davon 900 ha Grünland. Neben dem Ackerbau und der Grünlandbewirtschaftung sichern die 20 Mitarbeiter die Haupteinnahmen durch die Viehwirtschaft. Insgesamt 1800 Tiere davon 350 Milchkühe und 1450 Kälber und Jungrinder werden hier versorgt. Die Milchkühe produzieren jährlich rund 2,8 Millionen Liter Milch.
Neben der verbreiteten Rinderrasse, den Holstein-Friesen, stehen hier noch 100 der bundesweit nur noch 1000 Schwarz-Bunten Rinder, im Stall. Für ihr Engagement in der Erhaltung dieser alten Rinderrasse wurde der Betrieb 2010 mit dem Wirtschaftsförderpreis des Landkreises für Landwirtschaft ausgezeichnet.
Der heutige Firmensitz des Betriebes befindet sich auf der Scheunstelle. Neben den Stallanlagen befinden sich dort auch die Büroräume. Im Dorf gibt es zwei weitere Betriebshöfe – zum einen den Werkstattbereich mit Maschinenabstellplatz und Garagenkomplex in der Ziegenstraße und in wenigen 100 Metern Entfernung dazu das Kombinat mit seinen Stallanlagen.
Es bleibt zu hoffen, dass die Agrargenossenschaft auch weiterhin gut wirtschaften kann und den Menschen in der strukturschwachen Region Lohn und Brot gibt.


1 Zunächst wurde nach drei LPG-Typen unterschieden. Beim Typ I wurden nur die Äcker gemeinsam bearbeitet. Vieh und Maschinen blieben im privaten Besitz. Typ II beließ das Zucht- und Nutzvieh beim Bauern. Felder, Maschinen und Zugtiere wurden in die LPG eingebracht. Beim Typ III wurde nahezu alles in die LPG eingebracht.

Autor Michael Ritz (Januar 2012)