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„Strodisign“ – Ausstellung in Potsdam

Zum Projekt „Strodisign“, das 2016 hier in Strodehne stattfand, gibt es jetzt eine Ausstellung im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur in Potsdam.

Bei dem Projekt „Strodisign“ entwickelten und produzierten Künstlerinnen, Designerinnen und DorfbewohnerInnen gemeinsam Kleidungsstücke und textile Kunstwerke, um sie in den Dorfalltag zu integrieren. Die „Strodis“ nennen das Projekt auch gerne einfach das „Kittelschürzenprojekt“.

Eröffnet wird die Ausstellung am Mittwoch, 16. Mai 2018, um 15.00 Uhr. Nach der Begrüßung durch die Ministerin Dr. Martina Münch, wird eine Delegation der am Ausgangsprojekt „Strodisign“ beteiligten Kittelträgerinnen eine kleine Performance darbieten und zum Abschluss Petra Schmidt Dreyblatt, Geschäftsführerin des BVBK eine Einführung in Ausstellung und Projekt geben.
Einladung zur Ausstellungseröffnung

Über die Ausstellung „Strodisign“

Ausstellungsdauer: 
17. Mai – 29. Juni 2018, Montag – Freitag von 7.00 – 17.30 Uhr Ausstellungsort: Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur 
Dortustraße 36, 2. Etage 
14467 Potsdam

Auf der Grundlage des Projekts konzipierten Birte Hoffmann und Gabriele Konsor für die Ausstellung jeweils eine neue Arbeit. Die Fotografin Birte Hoffmann zeigt insgesamt 37 Fotografien, die in fünf Gruppen angeordnet sind. Es sind Bilder von Frauen in „Strodisign“-Kleidung, von Hoffmann in ihrem persönlichen Handlungs- und Lebensumfeld fotografiert. Die Fotoserie versteht sich als Porträt der Strodehner Frauen.

Die Bildende Künstlerin Gabriele Konsor präsentiert eine Skulpturengruppe: Sie hat für die Ausstellung einfache Holzkreuze mit originalen „Strodisign“-Kitteln angekleidet. Oben auf den Kreuzen sind in unterschiedlichen Techniken hergestellte Porträtzeichnungen der jeweiligen Kittelträgerinnen befestigt.

Im eigenen Schuppen und Materiallager vorgefundene, für die (ländliche) Arbeitswelt der Künstlerin nutzbare Objekte bilden die Halterungen für die freistehenden Kreuz-Figuren: Sackkarren, Stühle, eine Milchkanne, Gummistiefel, Erntegarn-Rollen, diverse Holzständer, eine Staffelei. Das bereits im Projekt „Strodisign“ vielfältig eingesetzte blaue Erntegarn dient ebenso als technisches Verbindungselement wie als Gestaltungsmittel.

Die Künstlerinnen:

  • Birte Hoffmann, Jahrgang 1983, wuchs in Braunschweig auf und ließ sich in einem Traditionsbetrieb ihrer Heimatstadt zur Porträtfotografin ausbilden. Von 2007 – 2012 studierte sie Kulturarbeit an der Fachhochschule in Potsdam.
  • Gabriele Konsor ist bildende Künstlerin. Sie hat 2002 ihren Arbeitsort von Berlin ins brandenburgische Dorf Strodehne verlegt und arbeitet dort an der Neubestimmung von zeitgenössischer partizipatorischer Kunst im ländlichen Kontext.

Seit 2014 betreiben Hoffmann und Konsor in Strodehne den landmade.Kulturversorgungsraum  (KVR). Mit Aktionen und Angeboten, die auf das Dorf als Ursprungsort von Gemeinwesen zielen, bringt der Kulturversorgungsraum (KVR) Bewegung in den Dorfalltag.

Hintergrundinfo Projekt STRODISIGN 2016:

Das Kunstprojekt STRODISIGN fand 2016 im brandenburgischen Dorf Strodehne statt.

STRODISIGN überführt traditionelle dörfliche Alltagskleidung in eine neue Erscheinungsform. Ausgangspunkt für diese Transformation ist die Kittelschürze, die wie kaum ein anderes Kleidungsstück das Klischee für ländliche Bekleidung verkörpert.

Der Kittelschürze stellten die „Strodisignerinnen“ einen Gegenstand an die Seite, der von historischer Bedeutung für ihr Dorf ist: Die Gardine der LPG-Essenküche in Strodehne. Sie hing zu DDR-Zeiten dort, wo das Dorf zusammenkam, um zu essen, zu feiern, sich auszutauschen. Das Dekor dieser Gardine diente als Vorlage für die Musterkreationen von STRODISIGN.

Bei der Realisierung des Projekts wirkten die kreativen Kräfte des ganzen Dorfes zusammen. Externe Impulsgeber waren Designerinnen sowie bildende Künstlerinnen, die mit textilen Materialien arbeiten.

Das Projektgeschehen kumulierte in einer Schau auf dem Dorfplatz, bei der die beteiligten Dorfbewohnerinnen als Models auftraten. In einer gemeinsam erarbeiteten Choreografie setzten 40 Kittelträgerinnen den STRODISIGN-Kittel opulent in Szene.

Für das Projekt war die enge Kooperation mit der Fakultät Angewandte Kunst Schneeberg der Westsächsischen Hochschule Zwickau von entscheidender Bedeutung: Sechs Studentinnen der Studienrichtungen Modedesign und Textilkunst/Textildesign entwickelten ein multifunktionales Kittelkleid, das aus sieben Teilen in unterschiedliche Muster besteht. Aus einem „Baukasten“ mit Teilen für 40 verschiedene Kittel haben sich 40 Frauen ihr eigenes Kleidungsstück zusammengestellt: Alle sind gleich aber jedes ist anders. Am Ende war es wie ein gemeinsamer Kittel, den alle zusammen anhatten, denn alle Muster hängen zusammen, und die Auswahl jedes einzelnen hatte Auswirkungen auf die Auswahl der übrigen.

 

 

 

 

Eine echte Dorfgemeinschaft

In Strodehne haben sich Alteingesessene und Neubürger nach Anfangsschwierigkeiten zusammengefunden – und der Ort profitiert

Titelt Markus Kniebeler in der MAZ vom 28. Dezember 2017


Strodehne ist glücklicherweise ein lebendiges Dorf. Über Jahrhunderte gab es immer wieder Leute die nach Strodehne kamen und hier blieben oder von hier aus in die Welt gingen. Diese Dynamik ist eine der Grundlagen für das Funktionieren der Dorfgemeinschaft. Ohne diesen Austausch hätte sich der Fall Strodehne längst erledigt.

Wie kann man bestimmen und wer bestimmt, wer ein Alteingesessener oder wer ein Neubürger ist? Eigentlich geht das gar nicht, da ständig neue Menschen kommen und wieder welche gehen. Was bedeutet es ein Strodehner oder kein Strodehner zu sein? So eine Einteilung ist eine beschränkte Momentaufnahme. Obwohl es anders scheinen mag, ist der Versuch Menschen in Gruppen einzuteilen immer auch der Versuch für sich oder eine der Gruppen Vorteile, Macht zu erringen und dadurch zu profitieren.

Die Grußkultur der Strodehner fällt Personen die das erste Mal nach Strodehne kommen immer wieder als etwas Besonderes auf. Jeder wird gegrüßt. Mit einem Hallo oder in den letzten Jahren einem Moin und einer erhobenen Hand grüßt man. Im Gasthaus macht der neue Gast eine Runde durch den Gastraum und klopft zur Begrüßung auf jeden besetzten Tisch. Begegnet man sich im Auto auf der Allee nach Strodehne wird schon weit vor der Vorbeifahrt die Hand zum Gruß erhoben.

Hat man sich am Abend über den Maschendrahtzaun hinweg noch Prügel angedroht, fällt es am nächsten Morgen logischer Weise nicht leicht ein fröhliches Moin über die Straße zu rufen. Auf jeden Fall wird die Hand zum Gruß gehoben. Zunächst hat man dabei noch einige derbe Schimpfworte im Kopf. Schon am nächsten Tag wenn man zu der erhobenen Hand noch Blickkontakt sucht, verfliegen die Schimpfworte. Das geht, bis man sich in der Gaststätte wieder streitfertig trinkt. – oder so ähnlich


Nun aber zu dem Artikel von Markus Kniebeler: